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Reisekrankheiten

Reisekrankheiten

Jeder 2. Hund fährt mindestens einmal in seinem Leben mit ins Ausland.

 

Besonders im Mittelmeerraum gibt es aber eine Reihe von gefährlichen Infektionskrankheiten für unsere Vierbeiner.

Überträger Lebensraum Zeitraum Krankheiten
Gemeiner Holzbock/Zecke (Ixodes ricinus) ganz Europa, in Wäldern mit viel Unterholz und dichter Graszone April bis November Borreliose
Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) ganz Europa, in Flussnähe, feuchten Gebieten wie Auwäldern, Moorland, in Deutschland regional gehäuft in Süddeutschland Frühjahr bis Oktober Babesiose
Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) warme Klimazonen wie Mittelmeerraum, wenn in Deutschland nach Urlaubsreisen eingeschleppt, massenhafte Vermehrung in Wohnräumen und Stallungen möglich in Räumen ganzjährig Babesiose Hepatozoonose Ehrlichiose
Sandmücke (Phlebotomina) europäische Mittelmeerländer, vereinzelt auch in Deutschland beobachtet März bis Oktober Leishmaniose



1.) Leishmaniose
Die Formen und Auswirkungen der Leishmaniose, die über Sandmücken übertragen wird, sind sehr unterschiedlich. Sie reichen von einfachen Hautveränderungen bis hin zur tödlichen Allgemeinerkrankung. Meist beginnt die Erkrankung mit Haarverlust, starker Schuppenbildung und kleinen offenen Wunden, besonders um Augen und Schnauze herum. Später dehnen sich diese Anzeichen auf die Hinterbeine und den gesamten Körper des Hundes aus. Das Tier verliert seinen Appetit und nimmt deutlich ab. Auch Augenläsionen, Durchfall und Nasenbluten können auftreten. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu einer Blutarmut (Anämie) und schweren Nierenschäden, was zum Tode des erkrankten Hundes führen kann.

2.) Babesiose
Die ersten Anzeichen der Babesiose treten in der Regel 1 - 3 Wochen nach der Ansteckung auf.
Typische Symptome sind Fieber, Abgeschlagenheit, fehlender Appetit, starker Gewichtsverlust und schwächer werdende Kondition. Blutarmut und Gelbsucht sowie Blutungen in der Haut und den Schleimhäuten können folgen. Typisch sind außerdem Entzündungen am Auge mit einer Netzhautablösung. Ist das zentrale Nervensystem betroffen, kommt es zu Bewegungsstörungen oder auch epileptiformen Anfällen. Die Diagnose kann anhand einer Blutuntersuchung gestellt werden.

3.)Ehrlichiose
Die Erkrankung ist durch drei Phasen gekennzeichnet: akut, subklinisch und chronisch. In der akuten Phase ist der Hund matt und verweigert das Futter. Unter Umständen treten schon Nasenbluten und punktförmige Blutungen auf den Schleimhäuten auf.
In der subklinischen Phase merkt man den betroffenen Hunden nichts mehr an. Entweder sie überstehen die Erkrankung dann oder aber sie gehen in eine chronische Phase über. Typisch für diese ist eine erhöhte Blutungsneigung mit Nasenbluten und punktförmigen Blutungen auf den Schleimhäuten. Möglich sind auch Blutbeimengungen im Kot und Urin. Aber auch Symptome wie Fieber und Abmagerung können auftreten. Die Diagnose der Ehrlichiose findet über eine Blutuntersuchung statt.

4.) Hepatozoonose
Der Hund steckt sich an, indem die Zecke zerbeißt und abschluckt. Der Krankheitserreger gelangt so in die Darmwand des Hundes und von dort aus in den Blutkreislauf. Er siedelt sich in Lymphknoten und Knochenmarkt sowie in Organen wie Milz, Leber und Nieren an. Dort führt er zu Organveränderungen. Typische Krankheitsanzeichen sind Fieber, Blutarmut, fehlender Appetit, Abmagerung, glanzloses Haarkleid, geschwollene Lymphknoten, Nasen- und Augenausfluss, blutiger Durchfall, Muskelschwäche und ein steifer Gang. Bei massiver Infektion sterben die Hunde bereits bevor die ersten Krankheitserreger im Blut nachgewiesen werden können.

5.) Herzwürmer (Dirofilarien)
Erreger der Herzwurmkrankheit ist Dirofilaria immitis. Er ist obligat zweiwirtig. Ca.60 verschiedene Stechmückenarten übertragen die Mikrofilarien (die Vermehrungsform). Daraus entwickeln sich im Endwirt Hund die erwachsenen Herzwürmer oder Makrofilarien. Diese Makrofilarien finden sich in großer Zahl im rechten Herzen, der großen Lungenarterie, der großen Hohlvene und gelegentlich in anderen Organen. Sie sind 1mm dick und 20-30 cm lang. Das Erregerreservoir bilden latent infizierte Hunde.
Das Vorkommen der Krankheit wird durch die Verbreitung der Stechmücken bestimmt. Das größte Infektionsrisiko haben in Europa die Mittelmeerländer. Weitere Vorkommen in den USA und Ungarn.
Die Ausprägung der Symptome ist von Anzahl und Lokalisation der Makrofilarien abhängig. Die Patienten ermüden schnell und zeigen das Bild eines Cor Pulmonale: Atemnot, Husten, Herzrasen, Herzerweiterung, Leberstauung, Bauchwassersucht, Wasser in den Beinen.
Der direkte Nachweis der Mikrofilarien erfolgt durch mikroskopische Untersuchung des Blutes. Die Blutprobe muss abends entnommen werden, weil dann die Mikrofilarien am zahlreichsten im Blut vorkommen.
Die Untersuchung auf erwachsene Filarien erfolgt über Antigennachweis im Serum. Es ist zu beachten dass diese Untersuchung erst 6-7 Monate nach der Infektion aussagefähig ist, wenn die erwachsenen Herzwürmer geschlechtsreif geworden sind.
Die medikamentöse Therapie ist in der Wirkung unzureichend bei massiven Nebenwirkungen. Das Abtöten erwachsener Herzwürmer ist zudem sehr riskant wegen der Gefahr einer Thrombose. Für massive Fälle bleibt dann nur noch die offene Herzchirurgie mit mechanischer Entfernung der Würmer. Risiko und Kosten sind hoch.

Zur Vorbeugung des Befalls mit Zecken oder Fliegen sind Halsbänder und Ampullenpräparate zum Auftropfen in den Nacken vorhanden, die schon vor Reisebeginn angewendet werden sollten. Die erste Anwendung erfolgt spätestens eine Woche vor Urlaubsbeginn. Dann 1x alle 3 - 4 Wochen bis 2 Monate nach Urlaubsende.

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Tierarztpraxis Cathrin Geissler und Dr. Diana Duen    Tel.: 040/5509850